VFEDaktuell PLUS 211
Die frisch gedruckte Ausgabe der VFEDaktuell PLUS ist erschienen!
Diese Ausgabe des VFEDaktuell PLUS widmet sich dem Thema Ernährung im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Tools. KI und digitale Tools verändern die Ernährungsforschung und Ernährungsberatung spürbar. Von der automatisierten Auswertung großer Datensätze über personalisierte Ernährungsempfehlungen bis hin zu Apps für Ernährungsprotokolle und Verhaltensmonitoring sowie Sprachassistenten eröffnen sich neue Möglichkeiten für evidenzbasierte und praxisnahe Arbeit. Für Ernährungsfachkräfte bedeutet das nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch die Chance, Beratung individueller, präziser und nachhaltiger zu gestalten. Entscheidend bleibt dabei die fachliche Einordnung: KI kann unterstützen, aber nicht die ernährungswissenschaftliche Expertise, ethische Verantwortung und den persönlichen Kontakt ersetzen.
Junior-Professorin Dr. med. Carolin Schneider zeigt in ihrem Beitrag, wie Large Language Modelle heute schon helfen, Risikoprofile von Patienten abzubilden. Der klinische Mehrwert dieser Modelle zeigt sich jedoch erst dann, wenn aus abstrakten Risikosignalen konkrete und umsetzbare Präventionsstrategien abgeleitet werden. An dieser Stelle kommt der Ernährungsberatung eine zentrale Rolle zu: Sie macht Wahrscheinlichkeiten handlungsrelevant, fokussiert sich auf wenige, wirksame Maßnahmen, begleitet deren Umsetzung im Alltag und überprüft den Fortschritt mithilfe einer strukturierten Verlaufskontrolle.
In seinem Beitrag „Der digitale Traum und das Erwachen in der Ernährungsberatung“ nimmt Daniel Schmidt ein sehr praxisnahes Thema aus dem Beratungsalltag in den Blick: die zunehmende Belastung durch administrative Tätigkeiten. Er untersucht, inwieweit Künstliche Intelligenz (KI) hier unterstützen kann, und benennt zugleich die Grenzen und Risiken der Technologie. Dabei korrigiert er die verbreitete Vorstellung, KI könne als eine Art „digitaler Ernährungsberater“ fungieren. Für die eigenständige Erstellung von Therapieplänen ist sie (noch?) nicht geeignet – die fachliche Urteilskraft des Menschen bleibt unverzichtbar. Als Unterstützung bei textnahen Aufgaben wie Formulieren, Strukturieren, Zusammenfassen und Vorbereiten bietet KI jedoch ein Entlastungspotenzial, auf das nicht verzichtet werden sollte.
Sabrina Antor, M.Sc., und Prof. Dr. Christina Holzapfel gehen der Frage nach, ob Ernährungs-Apps geeignete Instrumente zur Gewichtsreduktion sind. Sie zeigen: App-basierte Interventionen können geringe bis moderate Effekte auf das Körpergewicht erzielen. In der Praxis sind sie vor allem als Ergänzung zur qualifizierten Ernährungsberatung sinnvoll, etwa zur Unterstützung von Selbstbeobachtung und Selbstmanagement. Sie können das Gewichtsmanagement fördern, ersetzen aber nicht die individuelle Betreuung durch Fachkräfte.
Nun wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre und viel Inspiration.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre VFEDaktuell PLUS-Redaktion